FOCUS, 06.02.1995; Ausgabe:6; Seite:194-194

AFFÄRE
Im Trüben gefischt


Die Kritik an ihren Wasserfiltern hat Brita hart getroffen. Jetzt soll sie Schweigegeld zahlen
Der Empfang war herzlich. Wie einen alten Bekannten begrüßte Professor Franz Daschner den Chef der Brita Wasser-Filter-Systeme GmbH, Heinz Hankammer, am 7. Dezember 1994 am Hauptbahnhof Freiburg. "Ich bewundere Ihre Leistung und den Erfolg der Firma Brita", lobte der Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene den Unternehmer.
Ungewohnte Töne. Bisher hatte der Professor kein gutes Haar an dem Taunussteiner Unternehmen gelassen. In dessen Haushaltswasserfiltern "kön-nen sich krankmachende Bakterien oder auch Schimmelpilze einnisten", bemängelte der Hygieniker seit Oktober 1993 immer wieder in Rundfunk und Presse. Sein vernichtendes Urteil: "Wasser, das oben hygienisch sauber reingeht, kommt unten nicht selten hygienisch schlechter raus." Eine Auffassung, die das zuständige Amt für Lebensmittelüberwachung in Bad Schwalbach nicht teilt. Die aufgrund der Vorwürfe entnommenen amtlichen Proben brachten "keinerlei Beanstandungen", so Abteilungsleiter Holger Botzen.
Gründlich ruiniert war der Ruf der Brita-Wasserfilter dennoch. Nachdem im März 1994 bei "Schreinemakers live" das "Trinkwasser in Gefahr" beschworen worden war, brach der Filterumsatz des Taunussteiner Unternehmens um 40 Prozent ein. "Über das ganze Jahr haben wir rund vier Millionen Mark Umsatz verloren", klagt Hankammer.
Um so überraschender war für ihn der Kurswechsel Daschners. Doch der Professor kam beim Mittagessen im Edelrestaurant des "Colombi"-Hotels schnell zur Sache: "Ich will Sie doch nicht kaputtmachen", leitete der Hygieniker seinen Vorschlag ein.
Das unmoralische Angebot: Ein gemeinsames Forschungsvorhaben zum Thema "Wasserfilter" unter Daschners Regie. Kostenpunkt für Hankammer: mindestens 500 000 bis eine Million Mark, eventuell auch mehr. Im Gegenzug könne Daschner die Medien dahingehend beeinflussen, daß es zum Waffenstillstand komme. Die Entscheidung dränge, ergänzte der geschäftstüchtige Professor - er baute nach eigenen Angaben seinen Bereich an der Uniklinik Freiburg zum größten deutschen Hygieneinstitut auf: ein Magazin aus den USA - dem wichtigsten Markt für Brita-Filter - habe einen Artikel zu just diesem Thema bei ihm angefordert.
Ganz anders interpretiert will Daschner den Vorschlag sehen: "Ich habe nur vorgeschlagen, die offenen wissenschaftlichen Fragen zu klären." Fragt sich nur, warum Brita die Studie finanzieren soll. Schließlich will Sabine Bergmann-Pohl, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, ein Projekt Wasserfilter ausschreiben.
(c) Focus Verlag und Redaktion

Focus, 06.02.1995